Sprachnachweis

Mit Sprachnachweis ist hier der Nachweis englischer Sprachkenntnisse gemeint, den die meisten ausländischen Universitäten bei der Bewerbung um einen Studienplatz in ihrem LL.M.-Programm verlangen. Für den Bewerber aus Deutschland reichen Englisch als Muttersprache oder ein bilinguales Abitur leider nicht aus; die Universitäten wollen vielmehr einen offiziellen Nachweis der Sprachkenntnisse in der Hand haben, mit einer Ausnahme: Wie anhand einer umfassenden  Umfrage festgestellt, akzeptieren viele  Universitäten auch ein „Highschool Diploma” oder manchmal den Nachweis, dass man ein ganzes Schuljahr an einer englischsprachigen Schule im englischsprachigen Ausland verbrachte.

In den allermeisten Fällen muss man seine Sprachkenntnisse jedoch anhand eines Tests nachweisen. Der gängigste Test ist der TOEFL-Test. Seit Kurzem gibt es jedoch auch den neuentwickelten LLaMa-Test aus Münster. Mehr dazu später. Zuerst einige Anmerkungen zum TOEFL-Test.

Zum TOEFL-Test lässt sich anbringen, dass diese gängige Bezeichnung in sich selbst wiederholend ist, da TOEFL die Abkürzung für „Test of English as a Foreign Language“ ist. Dennoch darf man wohl weiterhin von einem TOEFL-“Test“ sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch reden. Die meisten Programme haben einen minimalen Standard, den man erfüllen muss. Ich hatte mal einen Kandidaten, der in Cambridge studieren wollte, aber keine FFA absolviert hat. Trotzdem habe ich ihn empfohlen. Er wurde sogar vom Law Department angenommen, aber erfüllte die Voraussetzungen der Universität nicht, weil er nur 149 Punkte im TOEFL-Test hatte, die Universität aber 150 Punkte verlangte. Da hier absolut kein Ermessenspielraum vorliegt, hat sich der Student auf eine Wiederholung des Tests konzentriert, genau die geforderten 150 Punkte erhalten und habilitiert sich nun. Mit seinen 149 Punkten aus dem ersten Ergebnis hätte er aber keinen Studienplatz erhalten.

Andererseits ist ein hohes TOEFL-Test-Ergebnis meist unwichtig, weil die Universitäten die Erfahrung gemacht haben, dass jeder, der das vorgeschriebene Minimum erreicht hat, fähig ist, das Studium zu schaffen. Ein hohes und beeindruckendes Ergebnis kann selbstverständlich nicht schaden, allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man als Entscheidungsgrundlage  zwischen zwei deutschen  Kandidaten alleine das Ergebnis des TOEFL-Tests  nehmen würde.
Hierbei spielen ja auch noch viele andere Komponenten eine tragende Rolle; allem voran das Herkunftsland. So habe ich beispielsweise für eine deutsche Studentin am Georgetown Law Center angerufen, um anzufragen, ob dort noch ein Studienplatz für eine gute Kandidatin frei wäre. Die zuständige Leiterin sagte mir, dass die Plätze für deutsche Bewerber leider alle vergeben wurden, woraufhin ich erwähnte, dass diese Kandidatin die doppelte Staatsangehörigkeit besitzen würde und auch einen koreanischen Pass hätte. Die zuständige Leiterin war begeistert und hielt das Ergebnis des TOEFL-Tests für eine Koreanerin für sehr gut. Für eine Deutsche dagegen wäre das Ergebnis nur akzeptabel, aber nicht herausragend gewesen. Das Testergebnis kann also durchaus einen Einfluss haben, aber nicht einen derartig großen wie häufig angenommen wird.

Drei Probleme mit dem TOEFL-Test sind vielleicht an dieser Stelle zu erwähnen: die Kosten, die Gültigkeitsdauer und die Vorbereitungskurse. Zu den Kosten ist zu sagen, dass der TOEFL-Test in verschiedenen deutschen Städten zu unterschiedlichen Zeiten angeboten wird. Der Preis liegt zurzeit bei 185 US-Dollar, eine beachtliche Summe. Was die Gültigkeit angeht hat der TOEFL-Test ein Verfallsdatum: Nach zwei Jahren sei das Ergebnis nicht mehr aussagekräftig. Des Weiteren versuchen die Anbieter des TOEFL-Tests die Prüflinge davon zu überzeugen, dass Kurse zur Vorbereitung auf den Test absolut erforderlich seien, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Die Kurse machen das Ganze natürlich noch teurer, haben aber den großen Vorteil, dass man seine alten Englischkenntnisse auffrischen kann. Zusammen mit dem Verfallsdatum bringen die Kurse den deutschen Staatsexamenskandidaten jedoch in eine Zwickmühle. Wann soll er sich auf den TOEFL-Test vorbereiten? Wenn er sich zu früh vorbereitet, hält sein neuerworbenes Wissen vielleicht nicht bis zum Beginn des Auslandsstudiums an, außerdem läuft er Gefahr, dass das TOEFL-Testergebnis verfällt. Wenn er aber mit dem Test abwartet, kann er keine vollständige Bewerbung abschicken.

Um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen – und um einen preiswerten Ersatz anzubieten – hat Frau Dr. Marie-Louise Poschen, eine Linguistin aus Münster einen fachbezogenen C-Test entwickelt, der sicherstellen soll, dass bei LL.M.-Kandidaten ein ausreichend umfangreiches juristisches Fachvokabular vorhanden ist und dieses auch situationsbezogen angewendet werden kann. Der Test heißt LLaMa-Test™ für Legal Language Mastery und ist ein Sprachtest nach dem sog. C-Test Modell. Auf der Internetseite des LLaMa-Tests finden Sie Informationen zu dem Test selbst und anderen C- Tests, den (bescheidenen) Kosten und zu den Universitäten, die den LLaMa-Test für LL.M.-Bewerber akzeptieren.