Was ist ein LL.M. Studiengang?

Einen Überblick über die außereuropäischen Partnerschaften der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der WWU Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster im englischsprachigen Ausland finden Sie unter folgendem Link.

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LL.M. ist eine Kurzform des lateinischen Magister Legum, wobei dieser Studienabschluss auf Englisch „Master of Laws“ in der Pluralform heißt (daher das „LL“). Wenn man sich den Briefkopf einer Großkanzlei oder deren Internetpräsenz anschaut, findet man die Bezeichnung LL.M. hinter den Namen der meisten jungen Kollegen. Sollte man bei einer solchen Großkanzlei arbeiten wollen, liegt die Überlegung auf der Hand, selbst einen solchen Titel zu erwerben, um die Einstiegschancen zu erhöhen. Beim Anschauen der Stellenausschreibungen dieser Kanzleien wird man leicht erkennen können, dass diese in der Tat meistens Mitarbeiter mit verhandlungssicheren Englischkenntnissen suchen. Diese sind mit einem solchen Abschluss leicht vorweisbar.

Bei einer Großkanzlei zu arbeiten ist sicherlich der Wunsch, wenn nicht gar der Traum vieler junger Juristen. Diesen sollten sie auch versuchen zu realisieren. Daher stellt sich bei ihnen gar nicht die Frage, ob der Erwerb eines LL.M.-Abschlusses sinnvoll ist oder nicht. Hinzu kommt, dass bei diesen Großkanzleien der Titel des „Master of Laws“ eben aufgrund des Auslandsaufenthalts nicht nur ein Zertifikat für sehr gute Sprachkenntnisse, sondern auch für Flexibilität und Weltoffenheit darstellt. Also lässt sich verallgemeinernd sagen, dass für diesen Berufsweg der LL.M. quasi Pflicht ist.

Häufig fragen mich Studenten mit solchen Plänen, ob ein Doktortitel ihnen mehr bringen würde als ein LL.M. Dies muss ich zumindest für Deutschland bejahen. Vielleicht klingt dies verwirrend, wenn man sich genau anschaut, was ein Doktortitel an Aufwand und Qualifikationen erfordert. Zudem sind die zusätzlichen Fähigkeiten, die man als promovierter Jurist besitzt (zum Beispiel die Fähigkeit, sich zu einem gewissen Thema die gesamte Literatur anzueignen, das Thema in einem größeren Konzept unterzubringen und eine überzeugende wissenschaftliche Arbeit mit einer These zu schreiben), nicht unbedingt die Fähigkeiten eines erfolgreichen Anwalts. Aber es lässt sich nun einmal nichts an der Tatsache ändern, dass in Deutschland der Doktortitel auf den Bewerbungsunterlagen eines Juristen einen spürbaren Wert hat. Obwohl viele Menschen dies verneinen, behaupte ich zumindest, dass in den meisten Fällen ein Doktortitel im Berufsleben mehr helfen wird als ein LL.M. Zu empfehlen ist es daher natürlich besonders, einen LL.M. mit einer Promotion zu kombinieren, weil dies jeden Berufseinstieg ermöglicht.

Die meisten deutschen Juristen, die den LL.M.-Abschluss absolvieren, landen, ob gewollt oder ungewollt, doch nicht bei den Großkanzleien. Daher stellt sich die Frage nach den weiteren Motiven für den Abschluss eines solchen Auslandsstudiums. Hierbei spielen oft persönliche Komponenten eine große Rolle. In meinem Fall war es schlicht und einfach das Interesse am Ausland und am fremden Recht, wobei es mir nicht so sehr darauf ankam, ob es mir beruflich viel helfen würde oder nicht. Diese persönlichen Gründe für ein Auslandsstudium können bei den Juristen oft unterschiedlicher Natur sein: sei es das Interesse an anderen Völkern und Ländern, an Fremdsprachen oder die große Liebe zu London, New York oder Sydney. Für diese Juristen ist die Frage, ob sich das Auslandsstudium lohnt, schon beantwortet. Sollten Sie zu dieser Gruppe gehören, können Sie ruhig den Rest dieses Kapitels ignorieren und gleich zum nächsten überspringen.

Aus meiner Erfahrung gehören die meisten LL.M.-Kandidaten oder Interessenten zu einer dritten Gruppe, die unbedingt eine Stelle mit Auslandsbezug finden möchte; sei es bei einer internationalen Organisation, einem Unternehmen, das multinational orientiert ist, oder gar eine Stelle im Ausland. Wenn Sie dieser Gruppe angehören, dann bestehen auch bei Ihnen wenig Zweifel, ob Ihnen ein LL.M. bei der Verwirklichung dieser Ziele weiterhilft, obwohl man überlegen könnte, ob zum Beispiel ein französischer Maître nicht auch überlegenswert und gegebenenfalls interessanter wäre. Englisch ist aber nicht nur die Weltwirtschaftssprache, sondern mittlerweile auch die Sprache des Völkerrechts. Daher sind für die Positionen mit Auslandsbezug gute englische Fachkenntnisse unerlässlich, um derartige Stellen zu finden und später befördert zu werden. Auch hier muss der Abschluss nicht unbedingt „LL.M.“ heißen, aber dennoch ist dieser ein international anerkannter Abschluss. Mit anderen Abschlüssen, wie zum Beispiel dem Master of Comparative Laws (MCL), könnten eventuell Akzeptanzprobleme seitens des Arbeitgebers auftauchen.

Ich möchte ein paar Worte zu den anderen Abschlüssen verlieren, die eventuell Alternativen zum LL.M. darstellen. Es gibt den MA, MS oder MSc, MSt, MALD, MApol, MPhil, MRes, MFA, MTh, MTS, MDiv, MBA, MPA, MPD, MPS, MProf-Studs, MJ, MSW, MPAff, MLIS, MLitt, MPH, MPM, MPP, MPT, MRE, MTheol, MEng, MSci, MBio, MChem, MPhys, MMath, MMus, MESci, MGeol, MTCM, MSSc, BCL (Oxon), BPhil (Oxon) und ThM. Vielleicht gibt es auch noch weitere Abschlüsse, die mit einem Magister ungefähr vergleichbar sind. Manche Studenten interessieren sich zum Beispiel für den Magister Juris (MJur) an der Oxford University oder den Master in Public Policy (MPP) an der Harvard University. In beiden Fällen wäre diese Auswahl für den deutschen Arbeitsmarkt völlig unproblematisch und gerne gesehen, da es sich um zwei der bekanntesten, wenn nicht berühmtesten und prestigeträchtigsten Universitäten der Welt handelt. Bei einem ähnlichen Abschluss an einer weniger bekannten Universität muss man allerdings damit rechnen, dass der potentielle Arbeitgeber sich zunächst fragt, was dies überhaupt für ein Abschluss ist und ob er vom Niveau einigermaßen vergleichbar ist mit einem LL.M. Wenn man es sich zum Ziel gesetzt haben sollte, unbedingt einen anderen Magisterabschluss zu machen, dann sollte man dieses Ziel auch verfolgen.

Aber Studenten, die sich schon über ihren Masterabschluss derart sicher sind, sind auch nicht diejenigen, die dann doch noch über den Abschluss dieses von ihnen gewählten Masterstudiengangs Zweifel hegen. Dennoch gibt es nicht wenige Studenten, die mich dann doch über gewisse Zweifel an ihrer Wahl informieren. Diesen Studenten rate ich dann immer, einen normalen LL.M.-Abschluss zu machen und somit eventuelle Probleme in der Zukunft zu vermeiden. Ebenso lautet mein Rat in Bezug auf den Master mit besonderen Schwerpunkten. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um einen LL.M. in Völkerrecht (International Law), einen LL.M. in Admiralty Law (Seerecht) oder bzgl. Menschenrechten (Human Rights) etc. Ein LL.M.-Abschluss in diesen Bereichen lohnt sich nur, wenn man tatsächlich an diesem Schwerpunktbereich interessiert ist und man nichts gegen die Festlegung auf einen bestimmten Rechtsbereich – zumindest für die nähere Zukunft – einzuwenden hat. Dies ist besonders im Steuerrecht sehr ratsam. Gerade dieses Rechtsgebiet erfreut sich nicht so großer Beliebtheit wie andere Rechtsbereiche und ist daher nicht jedermanns Sache. Die Steuerrechtler, auf Englisch sogenannte „tax freaks“, freuen sich daher sehr, „Gleichgesinnte“ zu finden. Für die anderen Themenbereiche gilt aber, dass man sich im Klaren darüber sein muss, dass man seine Berufschancen beim Erwerb eines Magisterabschlusses mit einer relativ schmalen Bezeichnung durchaus einengen kann und hier daher Vorsicht walten lassen muss. Dieses Phänomen ist vergleichbar mit dem des Themas der Dissertation. Auch hier muss man aufpassen, dass man in einem Rechtsgebiet promoviert, in dem man sich auch vorstellen kann, später beruflich tätig zu werden. Dies ist auch der Grund, warum ich niemandem rate, eine Dissertation zum Familien-, Arbeits- oder Strafrecht zu schreiben, wenn man nicht in diesen Bereichen, zumindest am Anfang der Karriere, arbeiten will. Beispielsweise wird eine Großkanzlei lieber jemanden mit einer wirtschaftsrechtlichen als mit einer strafrechtlichen Promotion einstellen wollen, wenn die Bewerber sonst einigermaßen ähnliche Qualifikationen aufweisen.

Sollten Sie sich nach dem Lesen dieses Kapitels nicht angesprochen fühlen, zum Beispiel weil Sie sich nicht vorstellen können später bei einer Großkanzlei mit Auslandsbezug zu arbeiten, Sie keinen persönlichen Grund – wie etwa ein ausgeprägtes Auslandsinteresse – haben oder Sie später nicht unbedingt in einem Unternehmen oder in einer Firma mit Auslandsbezug – geschweige denn einer völkerrechtlichen Organisation oder Gouvernmental Organization – arbeiten wollen, dann sollten Sie die Idee eines LL.M.-Abschlusses vielleicht lieber verwerfen. Zu dem gleichen Schluss wird man beim Betrachten einer Liste mit den prominentesten deutschen Strafrichtern kommen, da man dort so gut wie keinen finden wird, der einen LL.M.-Abschluss vorweisen kann. Wenn es Sie nicht reizt, dann sollten Sie den LL.M. nicht nur deswegen machen, weil alle Ihre Kommilitonen diesen Abschluss nach ihrem Jurastudium verfolgen; zumal ein LL.M. auch Zeit und Geld kostet, das Sie vielleicht besser anders anlegen sollten. Allerdings bin ich auf der anderen Seite während der fast über 40 Jahre, die ich mich mit diesem Thema beschäftige, noch niemandem begegnet, der sich für einen LL.M. beworben hat und nicht von seinem Auslandsjahr (oder gar zweien) begeistert war bzw. von seiner ausländischen Universität und den dort gemachten Erfahrungen schwärmt. Daher sollte jeder den Abschluss eines LL.M. zumindest in Erwägung ziehen, auch alleine schon aufgrund der persönlichen Bereicherungen und der Erweiterung des eigenen Horizonts.

Was folgt nach einem LL.M.-Abschluss im Ausland?

Von besonderer Relevanz ist an dieser Stelle vor allem die immer wieder aufkommende Frage, wie und ob man mit einem LL.M.-Abschluss als Anwalt in den Vereinigten Staaten zugelassen werden kann. Diese Frage ist zugleich auch sehr speziell, da sie nur für manche Kandidaten in Betracht kommt. Für die Zulassung zum Anwalt in den Vereinigten Staaten ist es nicht unbedingt erforderlich, dort einen LL.M. gemacht zu haben. In mindestens zwei amerikanischen Staaten, Kalifornien und Georgia, darf man zugelassen werden, wenn man schon in seinem eigenen Land (das heißt also in Ihrem Fall Deutschland) als Anwalt zugelassen ist.

Dabei läuft die Prozedur wie folgt ab: In Georgia muss man einen Antrag mit Referenzen stellen, um zum Bar Exam zugelassen zu werden. Offiziell wird nicht verlangt, dass man ein Studium in den Vereinigten Staaten absolviert hat und ich kenne Fälle, in denen deutsche Anwälte zugelassen wurden ohne dort tatsächlich studiert zu haben. Wenn der Antrag genehmigt wird, ist man berechtigt, an der Bar Examination für „Foreign Lawyers“ teilzunehmen. „Foreign“ bezieht sich in diesem Zusammenhang nur auf die Nichtzulassung im Staat Georgia.

In Kalifornien läuft es einfacher ab, denn hier muss man keinen Antrag stellen. Als ausländischer Anwalt hat man ein Recht darauf, nach bestandenem Bar Exam zugelassen zu werden. Natürlich muss man die Gebühren für die Korrektur des Bar Exams zahlen und wenn Sie zugelassen werden, müssen Sie auch „Bar membership dues“ als dortiger Anwalt zahlen.

In beiden Fällen lohnt es sich, an einem Bar Exam-Kurs teilzunehmen. Ich kenne den Fall einer deutschen Juristin, die nach einem dreimonatigen Kurs das Bar Exam in Kalifornien geschafft hat und zugelassen wurde (ihren Erfahrungsbericht können Sie in einem DAJV-Newsletter nachlesen). Persönlich kenne ich auch einen Juristen, der zumindest plante, als Anwalt in Georgia tätig zu werden.

Obwohl mir die genauen Zahlen, wie viele deutsche Anwälte oder Juristen im New York State zugelassen sind, nicht bekannt sind, weiß ich, dass in New York ein LL.M. mit bestimmten Kursen für die Zulassung zum Bar Exam verlangt wird. Jeder, der sich hierfür interessiert, sollte sich vorab darüber informieren. Trotz meiner fast vierzigjährigen Erfahrung in diesem Bereich bin selbst ich bislang keinem einzigen deutschen Juristen begegnet, der nur mit einem LL.M. oder sogar ohne einen solchen in den Vereinigten Staaten als amerikanischer Anwalt tätig ist. Bitte verstehen Sie mich hierbei nicht falsch, ich kenne zwar viele Deutsche, die dort zugelassen sind und auch erfolgreich als Anwalt arbeiten, aber dies bezieht sich nur auf Personen, die in den USA studiert haben.

Die Erklärung für dieses Phänomen liegt auf der Hand. Ein LL.M.-Programm ist nicht besonders anspruchsvoll. Darüber hinaus enthält ein LL.M.-Programm nur ungefähr das Pensum von einem Viertel des normalen Jurastudiums in den USA. Hinzu kommt noch, dass deutsche Juristen im Rahmen eines LL.M.-Programms häufig Kurse wie Negotiations, Alternative Dispute Resolutions etc. belegen, die zwar für unsere Zwecke interessant und wichtig, aber für den amerikanischen Anwaltsmarkt weniger imponierend sind. Wenn Sie sich in den Vereinigten Staaten als Anwalt bewerben, dann sind Ihre Konkurrenten Anwälte, die das volle juristische Studium erfolgreich abgeschlossen haben.

Sie als deutscher Jurist sind in dem Fall für einen amerikanischen Arbeitgeber interessant, wenn Sie deutsche Mandanten im deutschen Recht betreuen können, aber dafür müssen Sie nicht in den Vereinigten Staaten zugelassen werden. Ich habe über die Jahre von drei Deutschen gehört, die mit einem LL.M. in Kalifornien als Anwälte tätig sind und bin mir sicher, dass es auch einige in anderen Staaten, vor allem in New York, gibt. Dennoch ist die Anzahl dieser Anwälte äußerst gering und dementsprechend ein solches Berufsziel nicht unbedingt zu empfehlen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die Haftungsrisiken in diesem Fall so groß sind, dass ich als deutscher Anwalt in den Vereinigten Staaten nur entweder als Sozius eines Unternehmens oder für eine staatliche Behörde arbeiten würde.