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Der Rechtstourist

Zum Kandidaten des Rechtstouristen lässt sich feststellen, dass er (oder sie) weltoffen und abenteuerlustig ist. Zwar lässt die Begeisterung für Neuseeland in den letzten Jahren merklich nach; doch zählt es für deutsche Studenten (aufgrund der Tatsache, dass diese nur die verhältnismäßig geringen einheimischen Studiengebühren zahlen müssen) zu den günstigsten ausländischen Studienorten. Zahlreiche Studenten aus Münster haben sehr gute Erfahrungen an der Auckland University oder der Victoria University in Wellington sammeln können, wobei auch die anderen, wie ich gehört habe, zu empfehlen sind.

Australien übt noch immer einen großen Reiz auf den ein oder anderen LL.M.- Kandidaten aus, weshalb sich erfreulicherweise sagen lässt, dass wir gute Erfahrungen mit der La Trobe University gemacht haben. Hier ist der Vorteil besonders der, dass die Vorlesungen häufig als Blockveranstaltungen angeboten werden, was im Endeffekt bedeutet, dass man mehrmals im Jahr die Möglichkeit hat, ein LL.M.-Studium aufzunehmen und schon nach 5 bis 7 Monaten fertig sein könnte. Die bereits erwähnte California Western Law School in San Diego folgt einem  Trimestersystem,  wonach jeder  zeitliche  Abschnitt,  genannt  Trimester, sich über 4 Monate hinzieht und die Abschnitte in ihrer Gesamtheit ein ganzes Jahr abdecken. Dies hat den nennenswerten Vorteil, dass der LL.M.-Kandidat sowohl  im  August  als  auch  im  Januar  und manchmal  auch  im  Mai  einsteigen könnte. Das beste Angebot für kurze Studienzeiten ist wohl die University of the West of England in Bristol. Nach einer Vereinbarung mit der Universität Münster kann  ein  Münsteraner  Absolvent  der  fachspezifischen  Fremdsprachenausbildung Englisch, der eine zusätzliche Vorlesung in Münster hört, das sogenannte „Course work“ für sein LL.M. in einem Wintersemester hinter sich bringen. Das bedeutet, dass er vor Weihnachten mit den Kursen fertig ist und nur noch die Magisterarbeit schreiben muss, was sich auch in Deutschland erledigen lässt. Neben der kurzen Zeit, die der Kandidat für sein LL.M.-Studium bei diesem Angebot aufwenden muss, ist außerdem von Vorteil, dass die Kosten für einen zeitlich derart begrenzten Auslandsaufenthalt im sonst etwas teuren England überschaubar bleiben.

Der weltoffene Rechtstourist sollte auch Südafrika in Erwägung ziehen. Des Weiteren bietet Kanada für viele eine kostengünstige Alternative zu den USA, weil dort die Studiengebühren viel günstiger sind als in den Vereinigten Staaten. Dabei lassen sich besonders zwei Universitäten in Toronto empfehlen: zum einen die University of Toronto in Downtown Toronto und zum anderen die Osgoode Law School an der York University, die etwas außerhalb Torontos liegt. Osgoode und andere Universitäten bieten auch die Möglichkeit an, einen LL.M. durch ein Research Project zu erwerben, was vergleichbar mit einer deutschen Promotion/ Doktorarbeit ist. Für den deutschen Rechtstouristen kommt das wohl eher nicht in Betracht, weil es ihm gerade um die Auslandserfahrung geht und eben nicht darum, Bibliotheken im Ausland besser kennen zu lernen und hochwissenschaftlich über einen längeren Zeitraum am gleichen Thema zu arbeiten. Schließlich sind mir kürzlich zwei LL.M.-Programme in China aufgefallen, sowohl in Peking an der Beijing Law School als auch in Macao. An beiden Universitäten erfolgt die Ausbildung zwar in Englisch, dafür befasst sich aber der LL.M.-Studiengang an der Beijing Universität nicht mit dem angloamerikanischen, sondern nur mit dem chinesischen Recht. An der Macao Universität ist die Ausbildung bisher leider nur  im  Europarecht und Internationalen  Wirtschaftsrecht möglich. Ich kenne zwar keinen Studenten, der dort studiert hat, dafür aber einen Professor aus Portugal, der an der Universität in Macao lehrt, und ich bin mir sicher, dass die Ausbildung in Macao auf einem guten Niveau ist.

Zum Niveau lässt sich noch verraten, dass es praktisch unmöglich ist, durch ein LL.M.-Programm durchzufallen. In meinen vielen Jahren als Professor habe ich an zahlreichen Universitäten nachgefragt, ob es jemals vorgekommen sei, dass ein LL.M.-Kandidat seinen Abschluss nicht erhalten habe, und ich habe Folgendes erfahren: An einer Law School in Kalifornien (ohne deren Namen nennen zu wollen) gab es einen LL.M.-Studenten aus Taiwan, der anscheinend seinen TOEFL-Test von einem Freund hat machen lassen, weil er selber kein Wort Englisch konnte. Nach ein paar Wochen hat der Dekan mit ihm gesprochen – wobei dies nur durch einen Dolmetscher möglich war! – und hat ihn überzeugt, nach Hause zu fliegen, weil es ihm faktisch unmöglich sei, die Klausuren zu bestehen. Das ist der einzige mir bekannte Fall, in dem jemand ganz ohne Abschluss sein Studium abbrechen musste. Darüber hinaus wurde mir eine Geschichte von einer anderen Universität in Kalifornien erzählt, an der ein afrikanischer Student nur so miserable Leistungen brachte, dass die Fakultät ihm kein LL.M.-Zertifikat ausstellen wollte. Daraufhin wurde mit ihm vereinbart, dass er einen anderen Abschluss bekommt, in diesem Fall einen Master of Comparative Law, den es sonst an dieser Universität gar nicht gibt.

Somit  stellt  sich  natürlich  sofort  die  Frage,  warum  es  nahezu  unmöglich  ist, durch ein LL.M.-Programm durchzufallen. Erstens gibt es in den meisten Programmen ein oder mehrere Kurse extra für die ausländischen Magisterstudenten, wobei diese sowohl sprachlich als auch fachlich auf einem sehr einfachen Niveau sind. Der Grund für dieses Zugeständnis ist, dass sich die LL.M.-Programme bemühen,  Studenten  aus  der  ganzen  Welt  auszubilden,  bei  denen  die  Englischsprachkenntnisse nicht immer auf einem hohen oder auch nur einem ähnlichen Niveau sind. Zweitens kommt noch hinzu, dass die Professoren in den normalen Vorlesungen die Klausuren der ausländischen Studierenden großzügig benoten. Das ist uns in Deutschland gar nicht so fremd, da wir uns beim Bewerten der Leistungen von Magister Legum- und Erasmusstudenten/-studentinnen ähnlich verhalten. Es wird zudem wohl noch zahlreiche andere Gründe geben. Hervorzuheben bleibt vor allem noch die Tatsache, dass die LL.M.-Studiengänge an den meisten Universitäten finanzielle Einnahmequellen für die Law Schools sind und – überspitzt formuliert – sie es sich nicht leisten können, Studenten durchfallen zu  lassen.  Selbst  wenn  sie  es  sich  aus  finanzieller  Sicht  leisten  könnten,  verschaffte es dem Ruf der Universität einen Einbruch, wenn es sich herumsprechen sollte,  dass  ausländische  Studenten  nach  der  Zahlung  von  teilweise  enormen Studiengebühren den LL.M.-Abschluss nicht bekommen haben. Um keinen Studenten ohne ein Zertifikat von der Law School zu entlassen und zugleich ein einigermaßen stabiles Niveau der Lehre zu gewährleisten, wird den ausländischen Studenten, von denen der Professor oder Dozent den Eindruck hat, dass diese mit den Kursen alleine nicht zurecht kommen und mehr Hilfe brauchen, an den meisten Universitäten ein Betreuer oder Mentor angeboten, der ihnen zur Seite steht und in den Kursen hilft. Traurigerweise ist dies aber noch nicht überall der Fall. Ich habe von einer meiner Mitarbeiterinnen, die ihren LL.M. in London machte, gehört, dass dort viele ausländische Studierende ziemlich ahnungs- und orientierungslos in die Kurse und Klausuren gegangen sind, obwohl sie um Hilfe gebeten  hatten.  Gemäß  meiner  langjährigen  Erfahrung  ist  dies  aber  die  Ausnahme, weil es sonst immer heißt, dass man zufriedenstellend betreut wird.

Was die Betreuung angeht, ist diese meist an kleineren Universitäten, die nicht unbedingt den besten internationalen Ruf haben, besser. Die bekannten Universitäten wollen nur die besten Studenten nehmen und erwarten von ihnen, dass sie alleine ihren Weg finden. Das ist zum Beispiel an der Cambridge University der Fall. Dort wird man aber zumindest einem College zugeteilt, an dem man zusammen wohnen und auch Unterstützung finden kann.