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Statement of Purpose

Für das Statement of Purpose habe ich ein Musterexemplar in einem gesonderten Abschnitt dieser Website  vorbereitet.  Allerdings  möchte  ich  Sie  dringend  davor  warnen,  die Sätze komplett hieraus abzuschreiben. Durch ein solches Vorgehen würde ein ziemlich schlechter Eindruck vermittelt, weil Sie das Statement selbst verfassen sollen. Dabei macht es übrigens auch einen schlechten Eindruck, wenn der Leser merkt, dass Sie das Statement gar nicht selbst verfasst haben, sondern dies ein englischer Muttersprachler verfasst hat, was man übrigens immer spüren kann. Dieses Phänomen hängt mit Kommastellungen, Wortwahl, Satzbau und Absatzstrukturierung zusammen, kurz gesagt, mit all jenen sprachlichen und grammatikalischen Eigenarten, auf die man als Muttersprachler sensibilisiert ist. Somit erweisen Sie sich selbst keinen Gefallen, wenn Sie das Statement von einem englischsprachigen Freund schreiben lassen. Dieser darf es gerne Korrektur lesen, aber nur, um grobe Fehler zu vermeiden und vielleicht als „Sounding Board“ Ihnen Rückmeldung darüber zu geben, ob ihr Statement und dessen Botschaft verständlich sind.

Das Statement of Purpose ist ein ausschlaggebendes und ernstzunehmendes Kriterium  im  Auswahlverfahren  der  Universität.  Das für  Deutschland zuständige Mitglied  des  Auswahlgremiums  hat  Ihre  Bewerbungsmappe  und  die  von  beispielsweise zehn anderen Bewerbern auf dem Schreibtisch und weiß, dass es nur Plätze für zwei, fünf oder sieben Kandidaten gibt, was eine Auswahl erforderlich macht. Meiner Erfahrung nach macht man in solchen Fällen drei Stapel. Die Bewerbungen des ersten Stapels sind die, bei denen man sich nach dem ersten Begutachten sofort sicher ist, dass es sich um ausgezeichnete Kandidaten handelt. Die Noten stimmen, die Gutachten glänzen und das Statement of Purpose ist perfekt auf die Universität zugeschnitten. Der dritte Bewerbungsstapel enthält all jene Bewerbungen mit relativ schwachen Noten, mittelmäßigen Referenzschreiben und Statements, die an die falsche Universität gerichtet sind. Man mag es kaum glauben, doch kommt dies tatsächlich mit einer gewissen Häufigkeit vor. Dies sind die Bewerber, die von vornherein ausscheiden und nicht weiterempfohlen  werden.  Die  restlichen,  mittelmäßigen  Bewerbungen  kommen  auf  den mittleren Stapel. In Ihrer Bewerbung sollten Sie natürlich versuchen, sich so positiv von dem Bewerberkreis abzuheben, dass sie auf dem ersten Stapel landen. Dies wird meistens aber nicht einfach sein, vielleicht weil zum Beispiel die Noten nicht wie erwünscht ausgefallen sind. Glücklicherweise beurteilen die ausländischen Universitäten die universitären Noten als genauso wichtig wie die Noten des Staatsexamens, wenn nicht noch wichtiger. Sie werden also davon profitieren, wenn Sie im Schwerpunktbereich eine gute Note erreichen konnten. Dennoch muss sich jeder im Klaren darüber sein, dass es wahrscheinlich immer bessere Bewerber geben wird, Personen, gegen die man wenig Chancen hat.

Auf der anderen Seite gibt es bestimmt auch Bewerbungen, die schlechter sind, selbst wenn die Kandidaten gar nicht so schlecht sein sollten. Das heißt, dass Sie sich Mühe geben sollten, eine gute und überzeugende Bewerbung zu schreiben, sodass Ihre Mappe mindestens auf dem mittleren Stapel landet. Zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung für den LL.M.-Studiengang werden Sie schon die Noten des Schwerpunktbereichs erhalten und die Klausuren des Staatsexamens zumindest geschrieben haben, sodass Sie an diesen nichts mehr ändern können. Also müssen Sie sich auf die Referenzschreiben, den Lebenslauf und vor allem auf das Statement of Purpose konzentrieren. Dies sollte zwei oder drei Seiten lang sein. Häufig gibt es hierzu aber auch Seitenbegrenzungen, an die Sie sich halten sollten. Nach meiner Erfahrung benötigt man meist zwei bis drei Seiten, um zu erklären warum man ausgerechnet an dieser Universität seinen LL.M. machen will, aber kaum mehr.

Zudem gibt es noch ein paar weitere Tipps für das Statement of Purpose. Man muss zum Beispiel die Universität nicht loben, weil dies sogar negative Auswirkungen haben kann (beispielsweise wenn man in diesem Schreiben durchklingen lässt, dass man sich nur aufgrund des guten Rankingergebnisses bei dieser Universität  bewirbt). Dies wirkt  nicht  überzeugend.  Gerade  Rankings sind eine sensible Angelegenheit: Die Universitäten wissen über deren Subjektivität Bescheid. Außerdem meint jede im Ranking auftauchende Universität (bis auf die, die sich auf Platz eins wissen darf), dass sie eigentlich noch höher hätte platziert werden müssen. Daher sollte das Lob für die Universität in dem Statement of Purpose keine Rolle spielen.

Zudem ist es nicht empfehlenswert im Statement of Purpose zu beschreiben wie viel Spaß Sie an der Stadt und ihrer Umgebung hätten, da dies nicht gerade den besten  Eindruck  verschafft.  Studenten  neigen  hierzu  vor  allem  bei  sonnigen Städten  wie  San  Diego  in  Kalifornien  oder  auch  diversen  Städten  in  Florida. Wenn Sie sich für „sonnige“ Tätigkeiten wie etwa Joggen, Tauchen oder Segeln interessieren, schreiben Sie das zum Schluss in Ihren Lebenslauf. Daraus können die Universitäten dann ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Ebenso tabu sind Ausführungen über Ihre unglückliche finanzielle Situation. In das Statement of Purpose gehören keine Kommentare über die Unbezahlbarkeit der hohen Studiengebühren oder die Notwendigkeit eines Stipendiums. Die Personen, die Ihre Bewerbung begutachten, treffen nur eine Grundentscheidung, ob Ihnen überhaupt ein Studienplatz zusteht. In nahezu allen Fällen liegt aber eine Entscheidung über die Reduzierung von Studiengebühren nicht in ihrem Ermessen. Daher sollten Sie dieses Thema erst dann ansprechen, wenn Sie tatsächlich zu dem LL.M.-Studiengang an der Universität zugelassen wurden.

Letztlich macht es auch einen schlechten Eindruck, wenn man jeden Satz des Statements mit dem Wort „Ich“ (bzw. auf Englisch „I“) anfängt, sodass der Leser das Gefühl hat, dass der Kandidat eine sehr egozentrische Person ist. Also sollten Sie das Statement etwas überarbeiten und revidieren, wenn Sie beim Korrekturlesen merken, dass Sie so viel über sich erzählt haben, dass dieser Eindruck entstehen könnte.

Besonders wichtig ist auch die Frage, wie der Aufbau des Statements genau aussehen soll. Zunächst müssen Sie ein paar Sätze über sich selbst verlieren, um sich vorzustellen. Hierzu gehören Informationen wie der Verlauf Ihres Studiums, der Besuch interessanter Vorlesungen, Vorstellungen über Ihre berufliche Zukunft etc. Wichtig ist es, hierbei besonders keine Wörter wie „Spaß“, „aufregend“ und andere in diese Kategorie passende Synonyme zu verwenden. Bei diesem Teil des Statements sollten Sie nüchtern bleiben und eher über Ihre Interessen schreiben, aber auch darüber, wie Sie einen positiven Beitrag zur Gesellschaft erbringen könnten.

Danach müssen Sie glaubhaft machen, warum Sie Ihre eben genannten Interessen gerade an dieser Universität verwirklichen wollen bzw. meinen, diese hier am besten verwirklichen zu können. Hierzu gehören zum Beispiel Argumente wie das Vorhandensein einer bestimmten Professorin oder eines bestimmten Professors (wobei Sie sich hierbei vorher vorsichtshalber erkundigen sollten, ob die besagte Person noch immer an der Universität lehrt oder aber in dem Jahr, wo Sie gedenken  an  der  Universität  zu  studieren,  sich  nicht  gerade  ein  Freisemester nimmt). Dabei ist auch nicht davon abzuraten mit dieser Person Kontakt aufzunehmen, um genau diese Frage zu klären. Heutzutage bietet das Medium des Internets  eine  harmlose und  einfache  Möglichkeit  zur  Kontaktaufnahme.  Wenn Ihre E-Mail nicht aufdringlich ist und sich auf einen kurzen Text beschränkt, in welchem Sie kurz Ihre Situation schildern und anfragen, ob die Person in besagtem Semester an der Universität lehrt, können Sie sogar damit bewirken, dass sich die von Ihnen angesprochenen Person geschmeichelt fühlt. Schaden wird Ihnen dies auf jeden Fall nicht. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass keine Reaktion auf Ihre E-Mail folgt. Sollten Sie aber die Möglichkeit haben, vor Abschicken  Ihrer  Bewerbung  die  Universität  selbst  zu  besuchen  und  mit  der Lehrperson zu sprechen, sollten Sie diese wahrnehmen. Dies kennt man zwar mehr von anderen Fachrichtungen, in denen die Eltern vorab mit dem Studienanfänger zu verschiedenen Universitäten fahren, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Allerdings ist dies durchaus auch (wenn es irgendwie machbar ist) vor der Aufnahme eines LL.M.-Studiengangs ratsam. Sollten Sie diese Möglichkeit haben, so ist es empfehlenswert, die zuständige Person anzurufen, zu erklären, dass Sie einen Besuch der Universität planen und danach zu fragen, ob sie nicht etwas Zeit für Sie hätte. Dabei bietet sich auch eine Einladung zum Mittagessen an. Allerdings ist es besser, dies in einem Telefonat zu klären anstatt in einer E-Mail, weil es so der Person schwerer gemacht wird, Ihre Anfrage und das Angebot zum Mittagessen abzulehnen.

Ansonsten bietet es sich noch an, in Ihrem Statement zu schreiben, worüber Sie gerne Ihre Magisterarbeit schreiben würden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, weil man nicht den Anschein erwecken darf, zu einseitig fixiert zu sein. Daher sollten Sie hier auch betonen, dass Sie dennoch offen und flexibel sind.

Alles in allem sollte das Statement den Eindruck erwecken, dass es sinnvoll ist, dem Kandidaten einen Studienplatz an dieser Universität anzubieten, und den Leser von dieser Notwendigkeit überzeugen. Daher lautet mein Vorschlag, das Statement über mehrere Wochen zu schreiben, es daraufhin für einen gewissen Zeitraum auf sich beruhen zu lassen, dann dieses noch einmal umzuformulieren und gegebenenfalls abzuändern und im Zweifel noch einmal für eine kurze Zeit liegen zu lassen, bis Sie selbst davon überzeugt sind, dass das Statement gelungen ist und den richtigen Eindruck erweckt. Sollten Sie dies geschafft haben, so fängt das ganze Verfahren für die Bewerbung an der nächsten Universität von neuem an. Dabei kann diese Prozedur viel Zeit in Anspruch nehmen, doch sollten Sie sich diese nehmen, da dies ihre große Chance darstellt, zu den herausragenden Bewerbungen zu gehören (also auf den „ersten Stapel“ zu kommen). Dies könnte Ihre letzte Chance sein und daher lohnt es sich in das Statement entsprechend viel Zeit zu investieren.